Tony Sender im Gespräch mit Paul Löbe im Wandelgang des Reichstags. Foto: Erich Salomon
Tony Sender im Gespräch mit Paul Löbe im Wandelgang des Reichstags um 1931. Foto: Erich Salomon

Engagement und Demokratie

EINE INTERVIEWREIHE

Die Demokratie befindet sich weltweit in der Krise. Viele zuvor noch demokratisch funktionierende Gesellschaften weisen immer mehr faschistische oder totalitäre Tendenzen auf und haben mit wesentlichen Ideen der Demokratie gebrochen – Menschenrechte, freie Wahlen, und Unbhängigkeit des Journalismus seien nur einige Beispiele. Umso wichtiger ist eine starke Zivilgesellschaft, die auf Probleme aufmerksam macht, Lösungen sucht und für ihre demokratischen Überzeungen kämpfen.

Im Leo Baeck Institut wächst das Interesse an der Bedeutung der Demokratie vor allem im deutsch-jüdischen Kontext. Der israelisch-österreichische Historiker Walter Grab beispielsweise sah einen Zusammenhang des Grades von Antisemitismus und dem Zustand der Demokratie. Während also Demokratien kriseln und der Antisemitismus weltweit ein immer größeres Problem wird, lohnt sich ein Blick auf die Geschichte dieser beiden Thematiken aus Sicht von Menschen, die sich für den Erhalt einer freiheitlichen, humanen Gesellschaft eingesetzt haben.

In einer Reihe von Beiträgen mit Expert:inneninterviews werden herausragende, oftmals fast vergessene, Persönlichkeiten der jüdisch-deutschen Geschichte von der Kaiserzeit bis zum Nationalsozialismus portraitiert, wie der Philosoph MORITZ LAZARUS, die Feministin LINA MORGENSTERNoder der Sonderpädagogen SALLY BEIN. Ihr individuelles Engagement wird dargestellt, um zu zeigen, welchen Einfluss es auf die Entwicklung einer inklusiven und gerechten Gesellschaft hatte.

HISTORISCHER
HINTERGRUND

Die Reihe beleuchtet das historische Zusammenspiel zwischen jüdischer Emanzipation und gesellschaftlichem Antisemitismus. Trotz andauernder Benachteiligung und zunehmender Anfeindungen spielten Jüdinnen und Juden eine zentrale Rolle in der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Deutschlands, insbesondere während der Kaiserzeit und der Weimarer Republik.

WARUM ZIVILGESELLSCHAFT ZÄHLT

In nahezu sämtlichen gesellschaftlichen und politischen Bereichen waren jüdische Menschen vertreten. Viele engagierten sich in liberalen und progressiven Gruppen. Das lag mitunter daran, dass gerade diese Bewegungen ähnliche Ziele der Gleichberechtigung, eines starken Sozialstaats und der Inklusion von Minderheiten anstrebten.

DIE PORTRÄTS
DER REIHE

Die Porträts verdeutlichen, dass eine funktionierende Demokratie neben einem starken Parlament auch eine engagierte Zivilgesellschaft braucht, die für Freiheit und Gerechtigkeit eintritt. Sie zeigen, dass Antisemitismus nicht nur eine Bedrohung für Jüdinnen und Juden darstellt, sondern für die gesamte Gesellschaft und ihren demokratischen Wert.