Neue Podcastfolgen: „Geschichte(n) der deutsch-jüdischen Diaspora“

Jüdische Geschichte Kompakt

Die aktuelle Podcaststaffel von Jüdische Geschichte Kompakt widmet sich unter dem Titel »Geschichte(n) der deutsch-jüdischen Diaspora« den globalen Wegen deutschsprachiger Jüdinnen und Juden, die besonders nach 1933 aus ihren Herkunftsländern emigrieren oder fliehen mussten. Sie entsteht in Kooperation mit dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg und dem Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam und begleitet das gleichnamige Publikationsprojekt, an dem auch die Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft des Leo Baeck Instituts (WAG) beteiligt ist – gefördert durch die VolkswagenStiftung.

Über die erste Folge mit Atina Grossmann (»Remapping Survival«) haben wir bereits auf unserer Website berichtet.

Folge 2: Zweierlei Amerika – Deutsch-jüdische Diaspora in den USA und Lateinamerika

Nach dem Auftakt zur neuen Staffel richtet sich der Blick in der zweiten Folge auf Amerika – oder genauer: auf die beiden Amerikas. In vergleichender Perspektive geht es um die deutsch-jüdische Diaspora in den Vereinigten Staaten einerseits und in den Staaten Lateinamerikas andererseits.

Gesprächspartner ist David Jünger vom Moses Mendelssohn Zentrum, der gerade eine umfassende Habilitationsschrift über das Leben des deutsch-jüdischen Rabbiners Joachim Prinz vorgelegt hat. Im Mittelpunkt steht dessen Bedeutung während der Weimarer Republik und den ersten Jahren des Nationalsozialismus, bevor Prinz in die Vereinigten Staaten floh und in den 1960er Jahren zu einer ikonischen Figur der jüdischen Unterstützung der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung wurde.

Erweitert wird die amerikanische Erfahrung durch einen Blick nach Süden: Im Gespräch mit Liliana R. Feierstein, Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin, geht es um die unterschiedlichen Versuche deutschsprachiger Jüdinnen und Juden, zwischen Mexiko und Argentinien an die verlorene deutschsprachig-jüdische Kultur ihrer Herkunft anzuknüpfen.

Zur Folge: juedischegeschichtekompakt.podigee.io/99-93

Folge 3: Flucht nach Shanghai. Eine Vater-Sohn-Beziehung zwischen Traumata, Erinnerung und Neubeginn

Die dritte Folge führt nach Shanghai, New Jersey und Heidelberg. Zu Gast ist der Autor und promovierte Jurist Steven Less, geboren 1953 in New Jersey und heute wohnhaft in Heidelberg. Er hat ein sehr persönliches Buch über die Geschichte seines Vaters geschrieben und gibt darin Einblick in eine Vater-Sohn-Beziehung, die von großem Vertrauen und Zuneigung, aber auch von Konflikten und einem drohenden Kontaktabbruch geprägt war.

Sein Vater, der Künstler John Hans Less, konnte als Sechzehnjähriger aus Berlin vor dem Nationalsozialismus fliehen und gelangte im September 1940 mit seiner Familie nach Shanghai. Die chinesische Hafenstadt war damals einer der letzten Orte, an denen Jüdinnen und Juden aus Europa Zuflucht finden konnten. John Hans Less lebte dort gemeinsam mit rund 20.000 anderen jüdischen Geflüchteten inmitten von Armut, Enge, subtropischem Klima und großer Unsicherheit. Steven Less spricht im Podcast sowohl über die Bedeutung der Stadt als auch über die Kunst seines Vaters.

Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte John Hans Less in die USA, wo er in den 1990er Jahren begann, sich künstlerisch mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, und zahlreiche Werke in Erinnerung an Shanghai schuf – darunter die Gemälde »Shanghaier Wahrzeichen: Boot auf dem Whangpoo (Huangpu) mit der Garden Bridge und dem Broadway Mansions Hotel im Hintergrund« (Öl auf Leinwand, ca. 2003) und »Die Fluchtroute der Familie Less« (1998). Während sein Vater eine Rückkehr nach Deutschland für sich ausschloss, zog Steven Less 1981 nach Heidelberg – eine Entscheidung, die John Hans Less, der 2011 in den USA starb, als Affront empfand.

Im Gespräch geht es darum, wie sich die Fluchterfahrungen der Eltern auf die zweite Generation auswirkten, welche Rolle Shanghai im Leben und in der Kunst seines Vaters spielte und inwieweit die deutsch-jüdische Herkunft seiner Eltern Steven Less’ eigene Biografie prägte. Seine Geschichte steht dabei – wie er selbst sagt – wie ein Mosaikstein für viele andere jüdische Familien, die durch den nationalsozialistischen Terror auseinandergerissen und in der Schoa für immer voneinander getrennt wurden.

Zur Folge: juedischegeschichtekompakt.podigee.io/97-94

Alle Folgen und weitere Hintergründe zum Projekt: diaspora.juedische-geschichte-online.net/ueber/news

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