Als wichtigste Publikation des Leo Baeck Instituts London wird das Year Book von der Oxford University Press jährlich von Cathy Gelbin und David Rechter herausgegeben. Erstmals erschien der Sammelband im Jahr 1956 und entwickelte sich bald zu einer der bedeutendsten Publikationen seiner wissenschaftlichen Disziplin. Es gilt gleichzeitig als Plattform zum Austausch neuester Erkenntnisse aus vielfältigen Perspektiven und führt hochqualitative Forschungsergebnisse aus verschiedenen Studienbereichen zusammen.
Neben thematischen Bereichen und Einzelartikeln enthält das YearBook Memoiren und persönliche Dokumente, die deutsch-jüdische Geschichte und Kultur unmittelbar vermittelbar machen. Um Nachwuchsforscher*innen zu unterstützen wird ebenfalls jährlich ein Essay-Preis für junge Promovierte und Postdoc-Wissenschaftler seit 2011 vergeben.
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Der Jahrgang 2025 des Leo Baeck Institute Year Book, Volume 70, zeigt die thematische und zeitliche Vielfalt der aktuellen deutsch-jüdischen Forschung. Die Beiträge reichen von der Frühen Neuzeit bis in die Nachkriegszeit und behandeln unter anderem Geistes- und Frauengeschichte, politische Ideen, Migration, Exil und Erinnerung. Geografisch eröffnen sie neue Perspektiven auf deutsch-jüdische Geschichte in Israel/Palästina, Großbritannien, Österreich und Berlin.
Edward Fram analysiert die Prägung der frühneuzeitlichen rabbinischen Kultur durch Emigration, Buchdruck und Immigration. Milan Hanyš untersucht Felix Weltschs zentristischen Liberalismus im zwischenkriegszeitlichen Tschechoslowakien. Beiträge zu Migration und Exil beleuchten Kontinuitäten jüdischer Organisationen zwischen Deutschland und Großbritannien (Anthony Grenville), Identitätskonstruktionen von Kindertransport-Geflüchteten (Monja Stahlberger), den Wiederaufbau jüdischen Gemeindelebens im Nachkriegsberlin durch die Frauengruppe (Nathan Marcus) sowie Ludwig Marcuses Auseinandersetzung mit der »Judenfrage« im Exil der 1930er Jahre (Manuel Clancett).