Beim Gesprächsabend am 4. Dezember diskutierten die in München geborene Autorin Dana von Suffrin und der Jerusalemer Musiker und Publizist/Autor Ofer Waldman über die aktuellen Spannungsfelder zwischen Deutschen, Israelis und deutsch-jüdischen Perspektiven. Ausgangspunkt war die Frage, wie sich nach dem 7. Oktober Verständigung, Wahrnehmung und gegenseitige Erwartungen verändert haben.
Zu Beginn lasen beide kurze Texte aus ihrem Werk. Während von Suffrin vor allem mit humorischen Texten die Grenzen und Fragen von Identität auslotet, ist der Fokus von Waldmann, der ebenfalls auf Deutsch schreibt, vor allem auf dem Wie des Sprechens und Schreibens. Er forderte, »weniger Adjektive zu nutzen«, was man wohl als eine Kritik der Identitäspolitik und einen Wunsch, den Fokus auf humanistische, interkulturell geltende Werte zu legen, Gemeinsames zu finden und nicht Trennendes, ergo einen Universalismus.

Waldmann, der in Jerusalem aufwuchs und nach vielen Jahren in Berlin nun im kulturell durchmischten Norden Israels lebt, betonte, dass ihn der 7. Oktober »zum Juden gemacht habe«. Zum ersten Mal stellte er sich die Frage »Wohin«. Noch am 6., so Waldmann, sei noch eine gewisse Hoffnung auf Frieden gewesen. Suffrin erzählte von einer bizarren Begebenheit, wie sie als Gast jüdischer Kulturtage über etwaige negative Erfahrungen nach den Massakern berichten könne. Obwohl sie verneinte, wurde sie anschließend von der Moderation gefragt, wieso sie nicht auswandere.
Moderator Thomas Sparr (Literaturwissenschaftler, Autor, Verleger) erklärte zu Beginn noch den in Anführungszeichen stehenden Titel, der – obwohl offensichtlich aus der Zeit gefallen – durchaus aktuell ist. Moderatorin Anja Siegemund nannte Gershom Scholem, der nicht (mehr) an eine eine Assimilation glaubte.
Das Gespräch zeigte, dass der Titel durchaus Aktualität besitzt und wie notwendig und gleichzeitig wie fragil der Austausch in diesen Zeiten ist – und wie wichtig Räume sind, in denen Differenzen benannt und gemeinsame Grundlagen neu ausgelotet werden können.
Die Reihe entsteht in Kooperation mit dem Leo Baeck Institute Jerusalem.
Sie wird unterstützt von der Heinrich-Böll-Stiftung und gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.