Was bleibt, wenn Stimmen verstummen? Mit dieser Frage eröffnet unsere Berliner Repräsentantin Dr. Miriam Bistrovic ihren neuen Beitrag „Objekte erzählen Geschichte(n) – Deutsch-jüdische Lebenswege zwischen Alltag, Erinnerung und Exil“, der am 17. August 2026 im Deutschland Archiv der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erschienen ist.
Ausgangspunkt ist eine zentrale Herausforderung der Erinnerungskultur: Die letzten Überlebenden der Kindertransporte und Zeitzeuginnen und Zeitzeugen der NS-Verfolgung werden in absehbarer Zeit nicht mehr selbst berichten können. Bistrovic zeigt anhand von drei Objekten aus den Sammlungen des Leo Baeck Institute – New York | Berlin, wie historische Artefakte diese Lücke füllen können – vorausgesetzt, sie werden durch Kontext und Vermittlung zum Sprechen gebracht.
Die drei bewusst aus weiblicher Perspektive gewählten Objekte:
- Das Porträt Bertha Pappenheims – Mitgründerin des Jüdischen Frauenbundes und Leiterin des Mädchenheims in Neu-Isenburg. Ihre Nachfolgerin Helene Krämer rettete das Bild in der Pogromnacht 1938 aus dem brennenden Haus, floh 1941 über Kuba in die USA und vermachte es kurz vor ihrem Tod 1977 dem Leo Baeck Institute.
- Die Schokoladentassen von Albert und Maja Einstein – zwei zierliche Porzellantassen aus den 1880er-Jahren, die Albert Einstein 1933 mit ins Exil nahm. Sie erzählen von seiner engen Bindung an seine Schwester Maja, die als promovierte Romanistin eine der ersten Biografien ihres Bruders verfasste, und vom gesellschaftlichen Aufstieg und späteren Verlust einer assimilierten jüdischen Familie.
- Die Puppe „Margot“ von Marianne Salinger – als 14-Jährige erlebte Salinger die Novemberpogrome 1938 in Berlin, rettete ein Stück der verbrannten Thorarolle aus der Synagoge und nahm es 1939 gemeinsam mit ihrer Puppe mit ins Exil. Salinger engagierte sich später jahrzehntelang ehrenamtlich am Leo Baeck Institute in New York und verstarb im Januar 2025 im Alter von 101 Jahren.
Der Beitrag zeigt, wie objektbasierte Erinnerungsarbeit geschichtliche Linien von Emanzipation, Verfolgung, Flucht und Exil im Kleinen greifbar und zugleich sichtbar macht.
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