Anfang Oktober kamen Freundinnen, Freunde und Unterstützer:innen des Leo Baeck Institute in New York zusammen, um die Arbeit an der Bewahrung deutsch-jüdischer Geschichte zu feiern. Bei der diesjährigen Gala erhielt die Schriftstellerin Nicole Krauss die Leo Baeck Medaille, die höchste Auszeichnung des Instituts. Die 1974 in New York geborene Autorin gehört zu den wichtigsten Stimmen der amerikanischen Gegenwartsliteratur, ihr Roman „Die Geschichte der Liebe“ wurde zum internationalen Bestseller.
In seiner Laudatio betonte Adam Gopnik, langjähriger Autor des „New Yorker“, die Kraft der Literatur, die Lücken der Geschichte zu füllen. Krauss’ Romane, so Gopnik, leisten genau das durch ihre Sprache und ihre Kunst des Erzählens. In Büchern wie »Die Geschichte der Liebe«, »Das große Haus« und »Waldes Dunkel« schreibt sie über Erinnerung, Verlust und Exil und darüber, wie Geschichten das kulturelle Gedächtnis über Generationen hinweg weitertragen.
»Our central, truly radical Jewish revelation was this: the incoherence of a lost home can be replaced by the coherence of an at-homeness in text. In shared words, with
their transcendent portability.« –Nicole Krauss
In ihrer bewegenden Dankesrede spielte Krauss auf Heinrich Heines Bild vom „portativen Vaterland“ an. Heine meinte damit die Bibel. Krauss weitete den Gedanken auf die Literatur insgesamt aus, ja auf die Sprache selbst. Die Millionen Wörter in Briefen und Tagebüchern, die heute im Archiv des LBI liegen, bewahren die Identitäten und Erinnerungen vergangener Generationen. Uns können sie ein Gefühl von Zuhause und Zugehörigkeit geben.
Dafür setzen wir uns als Freunde und Förderer des Leo Baeck Instituts ein: dass diese Stimmen bewahrt und gehört werden, heute und von kommenden Generationen.
Herzlichen Glückwunsch, Nicole Krauss!